“Türke sein is schlimmer in Deutschland dank mal nach”: Wie auf der BILD-Facebookseite der Respekt für das Outing von Thomas Hitzlsperger in eine rassistische Hetzjagd umschlug

Ich sitze grad in Düsseldorf am Flughafen und arbeite an der Homepage meiner Frau, bevor ich mich auf den Weg mache zum Auftritt unserer Lesebühne in Köln. Zwischendurch las ich soeben vom Coming Out des Fußballers Thomas Hitzlsperger.

Es ist großartig, dass ein Mensch den Mut gefunden hat, sich offen und befreit zu seiner sexuellen Orientierung zu bekennen. Es ist traurig, dass das überhaupt eine Nachricht wert ist, und noch trauriger ist es, dass es dazu Mut braucht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wie ich mich immer frage, fragte ich mich auch jetzt, wie die notorisch launigen BILD-Leser auf diese Nachricht reagieren würden. Also besuchte ich die Facebook-Seite der BILD-Redaktion und schaute mir die Kommentare an. So begann mein Abstieg in die fiesesten Abgründe der Welt hinterm deutschen Jägerzaun im Jahre 2014.

Vorab: Erfreulicherweise war “Respekt” das am häufigsten verwendete Wort (in all seinen Rechtschreibschwächenvarianten, aber der Gedanke zählt).

Ebenfalls erfreulich: Homophobe Kommentare musste man erstmal suchen, was entweder für die Reaktionszeit der BILD-Facebook-Redaktion spricht – oder tatsächlich für die Kommentatoren. Natürlich findet man dennoch welche, schließlich ist das hier Deutschland im Jahr 2014 und selbst Politiker tun sich noch mit Gleichberechtigung schwer. Ein paar repräsentative Beispiele:

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So weit, so wenig überraschend. Gott sei Dank waren sie in der Unterzahl und gab es neben den via Kommentar-Like Beipflichtenden genügend Kommentatoren, die dem homophoben Dreck Kontra gaben. Das ist doch mal eine erfreuliche Entwicklung. Dachte ich. Und las weiter. Und ich begriff, weshalb es keine gute Idee ist, deutsche Bürger Bürgerwehren gründen zu lassen.

Aber ganz von vorn. Einem Kameraden schien das Outing ganz besonders zu schaffen gemacht haben. Er tat sich besonders mit hetzenden Kommentaren hervor:

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musaneu

Homophobe Drecksscheiße. Wie oben erwähnt, war die Mehrheit der Diskussionteilnehmer sofort zur Stelle, wenn jemand einen homophoben Kommentar hinterließ. Dann wurde in der Regel sachlich, aber bestimmt getadelt. Manchmal gelang das gut, manchmal etwas weniger eloquent:

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Doch bei dem Verfasser des oben zitierten homophoben Kommentarkompendiums, nennen wir ihn einfach mal Özgür, war etwas anders, als bei den ansonsten überwiegend mit deutschen Namen ausgestatteten Kommentatoren. Richtig: Er hieß Özgür. Das fiel auch der Bürgerwehr auf. Und wie immer, wenn es in Deutschland etwas zu verteidigen gibt, bekämpft man Feuer mit Feuer. Die Stimmung kippte in eine traurige Richtung.

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Hobbypsychologie kam ins Spiel:

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Lösungen wurden gesucht und gefunden:

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Und dann entglitt es thematisch völlig:

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Gott sei Dank gab es eine Stimme der Vernunft:

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Dachte ich. Ich war leider etwas naiv gewesen. Die strafrechtlichen Schritte bezogen sich nicht etwa auf die an Özgür gerichteten, volksverhetzenden, rassistischen Kommentare, sondern auf Özgür. Die rassistischen Kommentare blieben weitestgehend unkritisiert. Ironischerweise war es wiederum Özgür, dem dieser Sachverhalt auffiel:

musamusa

So sieht es im Jahr 2014 in den BILD-Facebookkommentaren aus: Homophobie pfui, Rassismus hui. Tja. Mir fällt leider keine Pointe ein.

Artikelvorschaubild: Germany color von jinjian liang, Bestimmte Rechte vorbehalten

Written by Misha Anouk

Mein Name ist Misha Anouk und ich bin Social Media Project Manager bei Super-Fi. Zwischendurch schreibe ich auch schon mal ein Buch. In diesem Blog schreibe ich über Social Media und alles, was dazugehört. Ich bin bei Twitter, Xing und LinkedIn.

This article has 41 comments

  1. Pingback: #Link11 spezial: Coming-Out Thomas Hitzlsperger | Fokus Fussball

  2. Eri Reply

    Ich finde jeden einzelnen Kommentar beschämend, egal aus welcher Richtung er gekommen sein mag.

  3. Pingback: Endlich outet sich einer - Seite 10 - Fanlager

  4. Problem Reply

    Es ist immer das gleiche Lied – und das ist traurig.
    Aber bei den BILD-Kommentatoren sollte man eigentlich nichts anderes erwarten… Da ist es egal, wenn du als Deutscher Homosexuelle hasst, oder andere mittlerweile nicht mehr gesellschaftskonforme Dinge tust.
    Aber wenn ein Türke der gleichen Meinung ist, dann kommt der Rassismus des kleinen Mannes durch, der dann auch noch argumentiert, dass man das ja wohl nach sagen dürfen wird….

  5. Lars Reply

    Wenn man jemanden beleidigen oder angreifen will, dann natürlich dort wo man einen Ansatzpunkt hat. Ein körperlich behinderter Mensch, der schwulenfeindliche Kommentare hinterlässt, wird eine entsprechende Anzahl an “Klappe Krüppel”-Reaktionen bekommen. Im Gegenzug wird ein Homosexueller, der rassistische Kommentare hinterlässt, weit überdurchschnittliche schwulenfeindliche Kommentare ernten.

    Der Schlussfolgerung “Homophobie pfui, Rassismus hui” kann ich mich daher leider nicht anschliessen. Da kann ich mich auch in ein Fußballstadion setzen und berichten:”Wein pfui, Bier hui”.

  6. Dylan Naylor Reply

    Leider ist es eine alte Geschichte, dass auch Minderheiten gerne gegen Minderheiten hetzen. Ich weiß nicht, wie oft ich schon in meinem schwulen Umfeld darauf aufmerksam machen musste, dass wir keinen Deut besser sind, wenn wir damit anfangen. Diese Kommentare scheinen nett gemeinte Verbrüderungen von Heteros gewesen zu sein, aber ich kann auf die genauso verzichten.

  7. ulli Reply

    Das Phänomen kann man auch immer wieder auf der Anti-Islam-Hetzseite “Pi-news” beobachten:
    Da hat man dann nix gegen Homosexuelle, wenn sie als Opfer der Islamisten auftreten. Da sind sie dann willkommene Kronzeugen.
    Ohne diesen Zusammenhang gehts dann aber in nächsten Beitrag wieder munter gegen die “Homo-Lobby”….

  8. Don Krypton Reply

    Jup, klar ist das übel, aber ich denke, wenn wir eine Diskussion über einen BLÖD-Artikel verfolgen, die auch noch über Facebook läuft, dann kann da natürlich auch nichts ausgeprägt Intelligentes bei rauskommen – du hast hier einfach Schnittmengen, die sich potenzieren. Ich glaube jedenfalls nicht, dass die Leute, die da kommentiert haben, einen repräsentativen Bevölkerungsschnitt darstellen.

  9. Bäumchen Reply

    Das ist nicht der Rassismus “des kleinen Mannes”. Das ist Rassismus, der zur Mitte der Gesellschaft gehört und fröhlich von v.a. Weißdeutschen aus der Mittelschicht zelebriert wird …

    • stevie Reply

      der rassismus wird von allen gepflegt, nicht mal nur von weißen.

  10. Achmed Müller Reply

    Ach immer diese Gutmenschen. War ja vorhersehbar. IHR seid ja alle soooo viel besser als die anderen und sooo offen und vernünftig und macht keine Fehler. Und dann zuhause schön Bauer sucht Frau gucken und über die Hauptdarsteller lästern. Ihr tut mir leid.

  11. Harald Reply

    Solche oder ähnliche Hetze findet man häufiger in den Kommentaren der BILDungs- und Rechtschreibverweigerer BILD-Leser – je nachdem, um welches Thema es eben gerade geht. Das kann der HartzIV-Empfänger sein, der Schwule oder der Verdächtige einer Straftat. Spielt keine Rolle. Es ist absolut nichts Neues, daß in den Kommentaren von BILD-Artikeln sich die geballte Dummheit versammelt und ihren Ressentiments Ausdruck verleiht. Das muß wie eine Befreiung sein, wenn dann der erste alle Schranken fallen läßt und andere Schreiber ihren Druck endlich auch ablassen können. Ich betrachte das nur mit einiger Genugtuung, wie sich diese Typen mit ihrem offensichtlichen Bildungsmangel immer wieder selbst demontieren.

  12. Rob Reply

    Hallo Lars,

    die Argumentation ist sehr gut und ihr, finde ich, ist absolut nichts entgegenzusetzen.
    Der deutsche Michel ist immer schon opportun gewesen. Er dreht seinen (Dauer-)Frust und Hass immer so, wie es sich für ihn gerade bequem anbietet. Wichtig dabei ist, dass er seinen Frust immer an anderen rauslassen kann:

    Das können dann Türken, Schwarze, Falschparker, Hunde, Mütter, Frauen usw. sein. Manchmal auch Staaten, Politiker, Hersteller, je nachdem was gerade in die schlechte Laune passt.

  13. Lars Reply

    @Rob:

    Leider kann ich mich dem auch nicht anschliessen. Wenn ich die Politesse als “Blöde Kuh” bezeichne, weil sie meinen Parkverstoß entdeckt hat und gleichzeitig für Frauenrechte in Indien eintrete, dann hat das nichts mit Opportunismus zu tun (oder Schizophrenie). Und man kann auch Westerwelle doof finden und nicht homophob sein. Man kann auch Westerwelle’s Außenpolitik gut finden und trotzdem gegen die Gleichstellung der Ehe sein.

    Opportun ist, wenn ich bei Raab sage, die PKW-Maut wird es nicht geben und dann die PKW-Maut einführe. Es ist die Anpassung meiner eigenen “mir egal”-Position an die für mich aktuell günstige Meinung. Natürlich gibt es auch Diskussions-Opportunisten – das nennt sich aber dann eher “Des Teufels Advokat”.

    Ist jeder misslungene Flirtversuch nachts an einer Hotelbar gleich Sexismus? Ist jeder abfällige Facebook-Kommentar gleich Rassismus? Wenn eine Frau über die unmögliche Frisur einer Kollegin lästert, ist sie Mensch. Wenn sie über die unmögliche Frisur einer lesbischen Kollegin lästert, ist sie homophob? Oder sind wir am Ende genauso schuldig daran, Trivialitäten medial aufzubauschen wie die Bild?

    Wieso sollte der “deutsche Michel” eine homogene Masse mit gleicher Meinung sein? Und was wäre denn daran erstrebenswert? Natürlich wird man den deutschen Michel sowohl auf Seiten der S21-Gegner als auch der S21-Befürworter finden, das macht den deutschen Michel aber wiederum nicht opportun oder schizophren.

  14. Pingback: Coming-Out, gehörloses Familienleben, Liveticker | Meonik

  15. Achmed Müller Reply

    Und natürlich verwahren sich diejenigen Poster hier dagegen, selbst ein “deutscher Michel” zu sein.
    Schon klar. ROFLMAO

  16. karl Reply

    Also traurig und beschämend das ganze. Egal ob das über Bild oder andere Kanäle kommt. Jeder Kommentar dazu ist überflüssig. Wir sind alle Menschen und basta. Die sollten sich was schämen!
    Gehe mal in den Facebook Blog und werde da einen Kommentar ablassen.
    Klasse was Du hier machst Misha!
    Meine Hochachtung, finde ich sehr sehr sehr gut!
    Weiter so!
    VG
    Karl

  17. egal Reply

    Man beachte die mangelhafte Räschtscheipunk der Fratzenbuchkommentatoren. Das sagt einem eigentlich schon, in welchen sozialen Gefilden man solche Exemplare findet.

  18. Achmed Müller Reply

    @egal: Kurzgedacht ist es eher, von der Rechtschreibung auf Intellekt/soziales Umfeld zu schliessen.

  19. Axel Reply

    Euch ist schon aufgefallen, dass Özgür in seinem zweiten Post “Tot den Homos” wünscht? Abgesehen vom Rechtsschreibfehler ist das im Verhältnis zu den, sagen wir mal etwas bildoesk-überspitzt formuliert, “volksverhetzenden, rassistischen Kommentaren” die weitaus geeignetere Provokation, die strafrechtlichen Schritte erfordert. @Misha: Vielleicht warst Du doch nicht so naiv.

  20. Jan Reply

    Es ist wirklich erstaunlich, nicht ein Kommentar ohne Rechtschreibfehler.
    Da springen die konservativen, geistig beschränkten Bild-Leser schon über ihren Schatten und finden Schwulsein plötzlich nicht mehr schlimm (stehen dann das nächste Mal wieder im Stadion und beschimpfen den Torhüter der anderen Mannschaft als “schwule Sau”) und dann kommt da ein (angeblicher) Türke dahergelaufen und redet ihnen das schöne Schwulseingutgefinde madig.
    Zwei Gesichter haben diese Menschen in der Tat, allerdings sitzt auf der homophilen Hälfte die Maske der Unehrlichkeit, während der rechtsradikale Teil unverhohlen zu sehen ist.

  21. Pingback: THOMAS HITZLSPERGER IST SCHWUL × DAS HIER IST DER BESTE KOMMENTAR ZUM COMING-OUT × NEWS × AMY&PINK

  22. Misha Anouk
    Misha Anouk Reply

    UPDATE: Ich habe gestern im Eifer des Gefechts in der Einleitung irrtümlicherweise den Begriff “Outing” statt “Coming Out” verwendet. Das habe ich abgeändert.

  23. Pingback: “Es ist beschämend, dass Mut dazugehört, uns mitzuteilen, was uns eigentlich nichts angeht.” - Misha Anouk

  24. Typhoon Reply

    Sämtliche hier gezeigten Kommentare sind entweder von 11-Jährigen verfasst worden, oder von geistig Behinderten. Dass der gemeine Pöbel nicht vernünftig sprechen kann (gerade BILD-Leser) ist doch wohl im ganzen Land bekannt. Sollte man jetzt ganze Artikel schreiben um die Ausgüsse von intelligenzlosen Kindern zu analysieren? Ich denke, es gibt in der Zeit auch sinnvollere Dinge, die man machen könnte.

    • David Reply

      Sind geistig Behinderte denn tendenziell homophober / rassistischer als andere Menschen oder wie kommst du zu deiner Schlussfolgerung?

  25. mario Reply

    Möchte mal ein weiteres Beispiel für menschliche Abgründe nennen: Die Facebook-Seite des beschaulichen Stadtteils Essen-Burgaltendorf. Die Menschen wären ja soo fröhlich in ihrem Dorf, gäbe es nicht dieses verdammte Heim für Asylbewerber in der Worringstraße… Sehr interessant, auf welchem Niveau die Diskussionen dort geführt werden. Ein paar Beispiele:

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=640180396045755
    “Haut euch die Koeppe ein. Je weniger desto besser”

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=623214237742371
    “Was kommt als nächstes ? Zustände sind das ! Denen sollte man die Hände abhacken !”

    Diese Liste lässt sich beliebig erweitern. Bei jeder “Straftat” sind die Täter durch die Bürgerwehr erschreckend schnell gefunden.

  26. Felix Reply

    Ich finde, die ganze Diskussion sollte sich nicht auf die BILD fokussieren. Klar, sie ist das “Paradebeispiel”, aber so sieht es im Jahr 2014 nicht nur in den BILD-Facebookkommentaren aus. So sieht es auf Facebook generell und ebenso in den Kommentarspalten von Spiegel Online, Sueddeutsche.de und fast allen anderen großen Medien aus. In den letzten drei Jahren ist Social Media immer mehr im Mainstream angekommen. Ein Lernprozess bei der Diskussionskultur ist allerdings nicht zu erkennen. Die Wahrheit ist: Trolle, Pöbler, Rassisten, Homophobe und militante Chefideologen, die sich stellenweise aufführen wie Dreijährige und sogar unter ihrem Klarnamen Hetze, Polemik, Beleidigungen und Populismus verbreiten und dabei häufig ein erschreckendes Ausmaß an Egozentrik, Intoleranz und Desinformiertheit zum Vorschein bringen, gibt es quer durch alle sozialen Milieus, Altersgruppen, Bildungs- und Einkommensschichten. Ich bin langsam aber sicher an einem Punkt, an dem ich viele Kommentarthreads nicht mehr ertragen kann, ohne latent agressiv zu werden. Zum Glück ist die Diskussionskultur in der Blogosphäre davon (mit wenigen Ausnahmen) weitestgehend unberührt.

  27. gargamel Reply

    Welche Vorlieben Thomas Hitzlsperger beim Sex hat, ist mir schnurzpiepegal. Nicht egal ist mir hingegen, ist mir der Wertewandel im deutschsprachigen Raum. Wir geben Werte nicht etwa auf, sondern wir ändern unser Wertesystem. Arbeiten, in Frieden leben und Kinder erziehen – das waren vor noch einer Generation Aufgaben, welche in der Gesellschaft einen Wert hatten. Doch bei immer mehr Menschen haben weder Kinder noch Familie heute einen Wert. Und auch Religion, die früher selbstverständlich zu den Grundpfeilern unseres Wertesystems gehörte, wird heute durch Lifestyle-Ideologien wie Öko-Wahn, den Glauben an den »Klimawandel« und Engagement für eine multikulturelle Gesellschaft ersetzt. Das treibt mitunter seltsame Blüten.
    Wenn ich nur wegen dieser Meinung ein Nazi sein soll, bitte sehr. Auch ja, mit der eigenen Meinung ist das so eine Sache in Deutschland. Einerseits ist sie vom Grundgesetz geschützt, weil es ohne Recht auf freie Meinungsäußerung keine Demokratie geben kann. Andererseits müssen auch in einer Demokratie diejenigen, die eine andere Meinung als die der Herrschenden vertreten, mit Nachteilen rechnen. In dieser Klarheit will das freilich kaum einer wahrhaben.
    Grundgesetz hin, Grundgesetz her: Wer mit seiner eigenen Meinung die Herrschenden und Gutmenschen erzürnt und damit Missstimmungen herbeiführt, der hat bald das Heer der Feiglinge und Selbstverleugner gegen sich. Denn wer mit dem Abweichler gesehen wird, gerät in den Verdacht, auch dazuzugehören. Also wird er ausgegrenzt und den nach Rache dürstenden Meute zum Opfer dargeboten.

  28. Alexander Vollmer Reply

    Ja, gargamel hat Recht, wir brauchen dringend die Änderung beim Adoptionsrecht, damit auch die LGBT-Paare nicht nur arbeiten und in Frieden leben können, sondern auch Kinder aufziehen. Mit der niedrigeren Scheidungsrate in diesem Teil der Gesellschaft und der einer durchschnittlich tieferen Verankerung in einer der vielen Glaubensrichtungen entsprechen LGBT-Paare genau dem vermissten traditionellen Gesellschaftsbild der heilen Familie. Da werden die alten Werte noch gepflegt. Im Gegensatz zu dem Sittenverfall bei diesen heterosexuellen Partnerschaften, bei denen ein Drittel fremdgeht, viele gar nicht heiraten und von den Verheirateten sich die Mehrheit scheiden lässt.

    Nur beim Öko-Wahn, dem Klimawandel und der multikulturellen Gesellschaft muss ich widersprechen. Das sind traditionelle Werte, die zum Teil Jahrhunderte gute deutsche Gepflogenheit sind. Man muss nur das Reinheitsgebot für Bier, die mittelalterliche Zunftordnung der Bäcker oder die Vorschriften für die Schweinezucht aus der Kaiserzeit betrachten um zu sehen, dass ökologische Nahrung eine lange Tradition hat. Und dass Naturschutz wichtig ist, haben schon andere vor dem obersten königlichen Förster der Wittelsbacher in Buchform gebracht und dessen Werk wird dieser Tage 300 Jahre alt. Und dass die Erde mehr Energie aufnimmt als abgibt ist schlicht und simple Physik, dass die Energie irgendwo bleiben muss und nicht verschwindet auch. Sollte man jenseits der siebten Klasse etwas davon gehört haben. Nennt sich Energieerhaltungssatz. Und Multikultur ist ein zentrales Merkmal des deutschen Wesens, dieses entsteht erst durch und aus der Multikultur. Denken wir nur an die zweite Hymne, an Beethovens Freude schöner Götterfunke. Der Mann hat einen Migrationshintergrund, vor allem seine Musik. Pure flämisch-französische Mischkultur. Überhaupt Musik, Oper italienisch, Balladen und Chanson französisch, Pop englisch, Rock auch und erst die volkstümliche Musik, eine Schöpfung der iberischen Halbinsel im Mittelalter. Dann die vorherrschende Religion, die wurde schon zur aramäisch-griechisch-römischen Multikultur bevor sie von Besatzungstruppen und ausländischen Mönchen importiert wurde. Und in der Technik, man denke nur an das Automobil, eine multikulturelle Collage, bei der der allseits bekannte Carl Benz einen luxemburger Gasölmotor mit einer kroatischen Dreiradkutsche und einem französischen Lenksystem kombinierte – Multikultur und typisch deutsch. Nicht umsonst war Deutschland über Jahrhunderte als der Kulturvermixer und Kopist der Errungenschaften anderer ethnischer Gruppen bekannt. Multikultur ist die traditionelle Leitkultur. Ohne Kulturimport keine Hugenotten wie Sarrazin, keine Musiker wie Beethoven und kein Schalke 04, dem Verein der Ruhrpolen.

  29. Pingback: Gemischte Reaktionen auf das Bekenntnis von Hitzlsperger | Goldenactive.de

  30. Zerbrumm Reply

    Im Organ der Niedertracht trifft sich der niederträchtigste Teil der Bevölkerung.
    Wo ist die Überraschung?
    Ich meide inzwischen Lokale, in denen dieser Arschwisch als Lektüre ausliegt.
    Und siehe da: Ich treffe nur noch nette, eloquente Leute, die nicht schon um zehn das vierte Weißbier durch ihren Bimsstein torkeln lassen.

  31. kleitos Reply

    STÜRMER 2.0 und seine Leser sind wie Hundescheisse. Und die stinkt nun mal bestialisch. Deswegen mach’ ich da einen grossen Schritt drüber.

    Wie sagte Max Gold doch so schön über den STÜRMER 2.0: “Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.”

  32. Felix Reply

    Wisst Ihr, was mich an der Diskussion nervt? Ihr tut alle so, als würde nur der ungebildete sozial unterprivilegierte Teil der Bevölkerung die BILD bzw. Springer-Medien lesen, dabei tut es sozio-demografisch betrachtet JEDER. Was meint Ihr denn, warum z.B. das BILDBlog seit Jahren eine so riesige Relevanz erzielt und an wem das Medienhaus so viele Mrd. verdient? Denkt doch da mal drüber nach!

  33. Nania Reply

    @Felix
    Ich kann dir sagen, dass in meinem direkten Umfeld kaum jemand die BILD liest – alle aus dem selben Grund nicht.
    Mag sein, dass es auch hochgebildete Leute gibt, die die BILD lesen und den Quark glauben, der darin steht. Aber ich glaube auch, dass die BILD eher eine Zeitung für die “Arbeiter” der Gesellschaft ist, nicht für Akademiker.
    Und die werden eben doch immer mehr.
    Auch erschließt sich mir nicht ganz, welche Korrelation Sie zwischen den BILDBlog-Lesern und den Mrd. die BILD verdient (deren Auflage übrigens auch drastisch schrumpft) sehen.

    • Felix Reply

      Das spricht auf jeden Fall für Dein soziales Umfeld. Dass BILD eine Arbeiterzeitung ist, ist aber ein Mythos, wenn man sich die Leserschaft ansieht. Ähnlich wie beim Trash-TV sind die Leser eine demografischer Querschnitt durch die Gesellschaft.

      Außerdem solltest Du mal kritisch hinterfragen, warum die Zahl der Akademiker immer höher wird. Das hat nämlich wenig mit dem BIldungsniveau und der Qualität der Ausbildung zu tun, sondern mit den durch Bologna geschaffenen Strukturen, die es immer mehr Bevölkerungsgruppen ermöglichen, mit immer niedrigeren Anforderungen immer höhere Bildungsabschlüsse zu erzielen. Das Ganze ist reine Augenwischerei um vom maroden Bildungssystem abzulenken, damit Deutschland in irgendwelchen OECD-Rankings nicht mehr die rote Laterne hat.

      Eine Korrelation zwischen BILDBlog und Umsatz der Springer-Gruppe wollte ich gar nicht aufzeigen. Der Satz war missverständlich formuliert. Das sind lediglich zwei Beispiele, die (neben Mafo-Ergebnissen) untermauern, dass nicht nur der “Pöbel” die Boulevardpresse liebt.

  34. Pingback: Lesestoff - Ausgabe 49 | DenkfabrikBlog.de

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